Samsung bewirbt das Galaxy Z Fold 8 mit beeindruckenden Zahlen: 45 Watt Ladeleistung per Kabel, 65 Prozent Akku in rund 30 Minuten und volle 100 Prozent in bis zu 72 Minuten. Klingt stark – aber halten diese Werte auch im echten Test stand? Ich habe genau nachgemessen: mit einem 100-Watt-Netzteil, dem Original-Kabel aus der Verpackung, einem USB-Messgerät für die tatsächlich durchfließende Leistung und einem Infrarot-Thermometer für die Akkutemperatur. Das Ergebnis ist eindeutig – und in einem Punkt ziemlich ernüchternd.

Der Testaufbau: Keine Ausreden möglich

Um jede mögliche Fehlerquelle auszuschließen, habe ich bewusst überdimensioniert: Ein 100-Watt-Netzteil liefert deutlich mehr, als das Fold 8 überhaupt abrufen kann. Das Ladekabel kam frisch aus der Originalverpackung. Zwischen Netzteil und Handy hängt ein USB-Messgerät, das mir in Echtzeit anzeigt, wie viel Leistung tatsächlich ankommt. Zusätzlich messe ich mit einem Infrarot-Thermometer regelmäßig die Rückseite des Geräts – denn ab etwa 40 Grad Celsius wird es für einen Akku kritisch.

Der Startpunkt: Das Fold 8 war komplett leer, es ließ sich nicht einmal mehr einschalten. Von 0 Prozent ging es los, mit Zwischenmessungen bei 10, 20, 30 und 60 Minuten.

Die ersten 10 Minuten: 38 statt 45 Watt

Nach 10 Minuten steht der Akku bei 28 Prozent. Der interessante Wert ist aber die Leistung: Statt der beworbenen 45 Watt kamen maximal 38 Watt an. Das ist der Höchstwert, den ich über die gesamte Ladedauer gesehen habe – die vollen 45 Watt hat das Gerät kein einziges Mal erreicht, obwohl das Netzteil mit 100 Watt weit mehr als genug Reserve bietet.

Gleichzeitig zeigte das Thermometer bereits 42 Grad auf der Rückseite. Damit war das Gerät nach nur zehn Minuten in einem Temperaturbereich, in dem man einen Lithium-Akku eigentlich nicht dauerhaft betreiben sollte.

Nach 20 Minuten: Warum das Handy auf 12 Watt drosselt

Bei der 20-Minuten-Marke steht der Akku bei 40 Prozent – und die Ladeleistung ist massiv eingebrochen. Statt der anfänglichen 38 Watt lag sie über eine längere Phase konstant bei nur noch 12 Watt. Der Grund zeigte sich direkt beim Nachmessen: Kurz zuvor lag die Gehäusetemperatur bei 43 bis 44 Grad. Das Fold 8 regelt in diesem Fall die Ladeleistung selbstständig herunter, bis die Temperatur wieder unter 40 Grad fällt – danach schnellt die Leistung wieder Richtung 38 Watt hoch.

Das ist übrigens kein Mangel, sondern gutes Akkumanagement. Das Gerät schützt seine eigene Zellchemie und verhindert vorzeitige Alterung. Für die beworbenen Ladezeiten ist dieses Verhalten allerdings ein echtes Problem – denn jede Drosselphase kostet Minuten.

Die 30-Minuten-Marke: 55 statt 65 Prozent

Hier kommt die erste klare Abweichung vom Werbeversprechen. Nach exakt 30 Minuten zeigte das Fold 8 55 Prozent an – versprochen waren bis zu 65 Prozent. Das sind rund 10 Prozentpunkte Rückstand, also ein spürbarer Unterschied und keine Messungenauigkeit.

Fairerweise muss ich einen möglichen Störfaktor nennen: Die ideale Umgebungstemperatur zum Laden liegt zwischen 16 und 22 Grad. In meinem Testraum waren es an dem Tag geschätzt rund 28 Grad, ohne Klimaanlage. Ob das allein die vollen 10 Prozentpunkte erklärt, halte ich für fraglich – ein gewisser Anteil geht aber sicher darauf zurück.

Das Endergebnis: 76 statt 72 Minuten

Nach einer Stunde stand der Akku bei 94 Prozent, die Ladeleistung war zu diesem Zeitpunkt planmäßig unter 10 Watt gefallen und die Temperatur auf angenehme 37,9 Grad gesunken – genau so soll es in der Schlussphase laufen. Die vollen 100 Prozent erreichte das Fold 8 nach 76 Minuten. Samsung verspricht „bis zu 72 Minuten“, und „bis zu“ bedeutet in meinem Verständnis das Maximum, nicht den Durchschnitt.

Damit hat das Gerät in meinem Test beide beworbenen Kennzahlen verfehlt: 55 statt 65 Prozent nach einer halben Stunde und 76 statt maximal 72 Minuten für die Vollladung. Für mich also: Test nicht bestanden.

Fazit: Nicht bestanden, aber trotzdem alltagstauglich

Bei aller Kritik: 76 Minuten von 0 auf 100 Prozent sind für einen 4.800-mAh-Akku in einem Foldable eine solide Zeit, mit der man im Alltag problemlos leben kann. Die Abweichung liegt im Minutenbereich und wird kaum jemandem auffallen, der das Handy über Nacht oder nebenbei lädt. Ärgerlich ist eher das Prinzip: Wer mit 45 Watt wirbt, sollte diese auch mal erreichen – und sei es nur für wenige Minuten am Anfang.

Wer sein Fold 8 optimal behandeln will, sollte vor allem auf die Temperatur achten: An heißen Tagen ohne Klimaanlage zu laden kostet messbar Geschwindigkeit und belastet den Akku zusätzlich. Wer das Gerät zusätzlich vor Kratzern und Sturzschäden schützen will, findet bei uns einen aktuellen Überblick, welche Hülle wirklich am besten schützt, sowie einen ausführlichen Test der besten Panzergläser fürs iPhone 17 Pro, falls neben dem Foldable noch ein zweites Gerät im Einsatz ist.

Habt ihr andere Werte bei eurem Fold 8 gemessen? Vielleicht liegt es tatsächlich an der Raumtemperatur – ich bin gespannt auf eure Erfahrungen. Weitere ehrliche Messtests folgen hier regelmäßig.

Galaxy Z Fold 8 Ladetest: Hält Samsung sein 45-Watt-Versprechen?