
Spiegelungen auf dem Display nerven, und seit einiger Zeit werben Hersteller mit Anti-Reflection-Panzergläsern dagegen. Ihr habt mich immer wieder darauf angesprochen, vor allem auf ein bestimmtes Modell von Torras, das in den Kommentaren gefeiert wird. Also habe ich zwei AR-Gläser getestet und eine matte Folie dazugenommen, weil matte Displays dasselbe Ziel verfolgen. Das Ergebnis ist ernüchternd.
Die drei Kandidaten
Torras OrigArmor AR-Glas: 42 €, im Angebot 35,99 €, und dafür bekommt ihr genau ein Glas.
ESR AR-Glas: 30 € für zwei Stück, also 15 € pro Glas.
JETech matte Folie: rund 11 €. Inzwischen ist sie nicht mehr gelistet, und sie hat bei Amazon nur 1,5 Sterne.
Das Face-ID-Problem
Die schlechten Bewertungen der matten Folie haben einen konkreten Grund, und der betrifft alle matten Folien für dieses iPhone. Beim iPhone 18 Pro sitzt die Infrarot-Kamera für Face ID oben mittig im Display. Sichtbar wird sie, wenn ihr das Display ausschaltet und es unter grelles Licht haltet: Dann erkennt ihr dort einen kleinen Kreis.
Die Hersteller haben bisher nur eine Aussparung für die Notch vorgesehen. Die Infrarot-Kamera liegt aber außerhalb davon, und eine matte Schicht blockiert sie. Im Test hat Face ID mit der matten Folie schlicht nicht mehr funktioniert. Das iPhone hat nur noch vibriert und mein Gesicht nicht erkannt.
Für mich ist das ein K.-o.-Kriterium. Face ID ist einer der Gründe, warum man ein iPhone benutzt. Bei den beiden AR-Gläsern gibt es dieses Problem übrigens nicht, dort funktioniert Face ID normal.
Wie gut entspiegeln die drei?
Für den Vergleich habe ich eine Lampe gezielt auf das Display gerichtet, ohne Schutz eine Aufnahme gemacht und danach mit jedem Glas dieselbe Aufnahme wiederholt.
Die matte Folie entspiegelt am besten. Von der Lampe ist praktisch nichts mehr zu sehen. Der Preis dafür: Die Displayqualität leidet, das Bild ist nicht mehr gestochen scharf und wirkt leicht körnig.
Das Torras liegt auf Platz zwei und deutlich vor dem ESR, aber die Lampe bleibt als Fleck sichtbar. Außerdem wirken die Farben verändert, das Bild sieht weniger neutral aus als ohne Glas.
Das ESR entspiegelt am schwächsten von den dreien.
Der Luftrand: Das eigentliche Ärgernis
Beide AR-Gläser haben dasselbe Problem, über das sich gerade viele iPhone-18-Pro-Besitzer beschweren: Am Rand klebt das Glas nicht, ein schmaler Luftrahmen bleibt stehen. Beim ESR kam zusätzlich eine seltsame Blase in der Mitte dazu, die nach jedem Andrücken zurückkam.
Beim Torras habe ich es mit Geduld versucht und fünf Sekunden lang fest gedrückt. Die Blasen am Rand kamen trotzdem sofort wieder. Bei einem Glas für 42 Euro ist das schwer zu akzeptieren. Bei einem 10-Euro-Glas könnte man darüber hinwegsehen.
Also habe ich nachgemessen:
✗ ESR: 73,4 mm, Luftrand rundum
✗ Torras OrigArmor: 74,6 mm, klebt an den Seiten, unten aber nicht
Interessant ist, dass beide auf unterschiedliche Weise scheitern. Das kleinere Glas reicht nicht weit genug über die gebogene Kante, das größere liegt seitlich gut auf, unten aber nicht. Woran genau das liegt, weiß ich noch nicht. Möglich ist auch, dass manche Displays nicht perfekt plan gefertigt sind. Dafür habe ich mir eine Messlehre für 30 € bestellt, ein messerscharfes Lineal, das man auflegt und gegen das Licht hält. Das Ergebnis zeige ich in einem eigenen Video. Mehr zu den Maßen und dem Luftrand steht in meinem Panzerglas-Test fürs iPhone 18 Pro.
Montage
Ein Wort zur Montagehilfe, denn sie entscheidet mehr, als man denkt. Die matte Folie von JETech kommt mit einem einfachen Rahmen, den man auf das Display legt und in den man die Folie selbst einsetzen muss. Bei mir ist sie dadurch schief geklebt, und genau deshalb entstand dort der Luftrand.
ESR und Torras nutzen dagegen Schablonen, in die das iPhone hineingelegt wird. Damit sitzt das Glas gerade. Beim Torras ist der Aufbau allerdings umständlicher und produziert viel Plastikmüll.
Fazit
Ehrlich gesagt würde ich keines der drei nehmen.
✗ Das ESR klebt am Rand nicht.
✗ Das Torras OrigArmor ist mit 42 € viel zu teuer für das, was es liefert, und klebt unten ebenfalls nicht.
✗ Die matte Folie entspiegelt am besten, macht aber Face ID unbrauchbar.
Sobald matte Folien mit einer Aussparung für die Face-ID-Kamera kommen, wäre das für mich die beste Lösung gegen Spiegelungen. Ich rechne damit, dass die Hersteller bald nachziehen, und teste sie dann. Bis dahin ist ein normales Panzerglas die vernünftigere Wahl.
Weitere Tests zum iPhone 18 Pro
Welche klaren Schutzgläser Kratzer und Biegetests überstehen, steht im großen Panzerglas-Vergleich. Passende Hüllen findet ihr im Test der besten iPhone 18 Pro Hüllen. Fürs Falt-iPhone gibt es meine Tests zu iPhone Duo Hüllen und iPhone Duo Panzerglas. Und mit dem kostenlosen Ladecheck prüft ihr, wie schnell euer Netzteil wirklich lädt.
