
Wer sich für ein Fold-Smartphone interessiert oder sich bereits das Galaxy Z Fold 8 gekauft hat, stellt sich früher oder später dieselben Fragen: Wie lange hält das Scharnier eigentlich? Leiert es mit der Zeit aus? Und was passiert im Schadensfall – zahlt die Garantie oder brauche ich eine Zusatzversicherung? Diese Informationen findet man online erstaunlich selten. Deshalb habe ich etwas gemacht, das wohl noch niemand mit dem neuen Galaxy Z Fold 8 gemacht hat: Ich habe wissenschaftlich gemessen, wie schnell das Scharnier Ermüdungserscheinungen zeigt – mit einem Zugmessgerät, das die Kraft in Newton misst.
Was Samsung offiziell zum Scharnier sagt
Samsung gibt an, dass das Scharnier des Z Fold 8 auf 500.000 Mal Auf- und Zuklappen ausgelegt ist. Klingt erstmal abstrakt, deshalb habe ich nachgerechnet: Wer das Gerät 100 Mal am Tag auf- und zuklappt, kommt bei 500.000 Klappungen auf rund 13 Jahre Nutzung. Das ist wirklich beeindruckend gut. Mein Test mit 1.000 Klappungen entspricht also gerade einmal 0,2 % der offiziell angegebenen Lebensdauer – eigentlich sollte sich danach überhaupt nichts verändert haben.
Der Testaufbau: Wie misst man Scharnier-Verschleiß?
Damit ich während der 1.000 Klappungen immer dieselbe Position beibehalte, habe ich das Z Fold 8 mit einem Saugnapf und einem MagSafe-Ständer fixiert – da das Gerät selbst kein MagSafe hat, kam eine MagSafe-fähige Hülle zum Einsatz. Am oberen Teil des Geräts befestigte ich einen Haken, verbunden mit dem Zugmessgerät. So lässt sich exakt messen, wie viel Kraft in Newton nötig ist, um das Display zu öffnen.
Vor dem eigentlichen Belastungstest habe ich fünf Messungen durchgeführt und daraus den Durchschnittswert gebildet: 2,6 Newton, mit Ausschlägen zwischen 2,5 und 2,8 Newton. Dieser Wert war meine Referenz für den Vergleich nach dem Dauertest.
1.000 Mal auf- und zuklappen – live und im Zeitraffer
Dann ging es los: 1.000 Mal Auf- und Zuklappen, für euch im Video im Zeitraffer zusammengefasst. Für die ersten 500 Klappungen habe ich exakt 10 Minuten gebraucht – meine Hände haben danach spürbar wehgetan. Nach einer kurzen Pause folgten die restlichen 500 Klappungen, diesmal sogar etwas schneller, weil ich mittlerweile richtig in Übung war. Das Scharnier selbst wurde dabei nicht warm. Bei zwei der 1.000 Klappungen fiel mir zwischendurch ein leicht hakeliges Gefühl auf, so als wäre kurz etwas dazwischen – ein Einzelfall, der sich nicht wiederholte.
Das Ergebnis: Gibt es einen messbaren Unterschied?
Nach den 1.000 Klappungen folgte die zweite Messreihe – und hier wurde es spannend. Statt der zuvor konstanten Werte um 2,6 bis 2,7 Newton zeigte das Messgerät jetzt immer wieder 0 an, oder Werte unterhalb von 2,5 Newton, dem kleinsten messbaren Wert meines Geräts. Das Display öffnete sich also bei geringerem Kraftaufwand als vorher – ein klares Indiz dafür, dass sich das Scharnier bereits nach 1.000 Klappungen minimal leichter bewegt als im Neuzustand.
Wichtig für die Einordnung: Subjektiv, also beim reinen Bedienen, fühlt sich das Scharnier für mich nach wie vor genauso an wie vorher. Auch der sichtbare Knick in der Displaymitte hat sich durch die 1.000 Klappungen nicht sichtbar verstärkt. Die veränderten Newton-Werte lassen sich daher am ehesten so interpretieren, dass ein brandneues Scharnier anfangs minimal straffer sitzt und sich in den ersten Nutzungswochen etwas einspielt – ähnlich wie bei mechanischen Bauteilen üblich. Ob sich daraus über zehntausende Klappungen ein relevanter Verschleiß entwickelt, lässt sich mit diesem einen Test nicht abschließend beantworten, aber die 500.000-Klappungen-Angabe von Samsung wirkt auf Basis dieser ersten 1.000 Zyklen nach wie vor realistisch.
Die Garantie-Falle: Was zahlt Samsung im Schadensfall wirklich?
Neben der reinen Haltbarkeit ist die zweite große Frage: Was passiert, wenn das Scharnier tatsächlich kaputtgeht? Samsung gibt 24 Monate Garantie, ausdrücklich auch auf das Scharnier – allerdings mit einer wichtigen Einschränkung: ohne sogenannte „Fremdeinwirkung“. Genau das kenne ich bereits aus der Vergangenheit bei anderen Samsung-Geräten, etwa beim bekannten Problem mit pinken Displaystreifen, das eigentlich ein Fertigungsfehler war. Wer das Gerät damals zur Reparatur einschickte, bekam oft zu hören, ein kleiner Kratzer am Rahmen sei schuld und das Gerät sei heruntergefallen – Garantie abgelehnt.
Bei einem kaputten Scharnier wird es vermutlich ähnlich laufen: Ist irgendwo ein Kratzer am Rahmen zu finden, schiebt Samsung den Schaden gerne darauf, statt einen Materialfehler anzuerkennen. Wer wirklich auf der sicheren Seite sein will, kommt daher kaum um eine Zusatzversicherung wie Samsung Care Plus herum – für rund 15 Euro im Monat, ähnlich wie bei Apple Care.
Fazit: Lohnt sich das Galaxy Z Fold 8 trotzdem?
Wer sich vor dem Kauf eines Fold-Smartphones vor allem wegen des Scharniers fürchtet, kann nach diesem Test etwas beruhigter sein: Nach 1.000 Klappungen – 0,2 % der von Samsung angegebenen Lebensdauer – gibt es zwar einen leicht messbaren Unterschied bei der Öffnungskraft, aber keinerlei spürbare Verschlechterung im Alltag. Die eigentliche Schwachstelle ist weniger das Material selbst, sondern die Garantiepraxis im Schadensfall.
Wer sein Fold-Gerät zusätzlich vor genau den Kratzern schützen will, die Samsung im Ernstfall als Ausrede nutzen könnte, sollte ohnehin in eine gute Hülle investieren. Einen aktuellen Vergleich der besten iPhone 17 Pro Hüllen im Test findet ihr bei uns, ebenso wie einen Panzerglas-Vergleich für das iPhone 17 Pro, falls ihr neben dem Fold-Gerät noch ein zweites Smartphone im Alltag nutzt und optimal schützen wollt.
Ich werde das Scharnier des Z Fold 8 im Auge behalten und bei Gelegenheit mit einem präziseren Messgerät erneut testen. Wenn ihr keine Langzeit- und Belastungstests mehr verpassen wollt, schaut regelmäßig hier auf dem Blog vorbei – bald sind weitere Fold-Geräte an der Reihe.
