
„Mein Handy lädt langsam“ ist die häufigste Frage, die ich unter meinen Videos bekomme. Und fast immer folgt: „Ist der Akku kaputt?“ Nein, fast nie. Ich messe seit Jahren mit dem Strommessgerät nach, was zwischen Steckdose und Handy passiert, und das Ergebnis ist immer dasselbe: Es gibt vier Bremsen, und das Handy ist keine davon. Hier die vier in der Reihenfolge, in der du sie prüfen solltest – egal ob iPhone, Samsung, Pixel oder Xiaomi.
Die Kurzfassung: in zwei Minuten prüfen lassen
Mein Ladecheck erkennt dein Handy, liest das Typenschild deines Netzteils vom Foto ab und sagt dir, welche der vier Bremsen bei dir greift. Wenn auf dem Papier alles passt, zeigt ein 15-Minuten-Test live, ob das Kabel bremst. Kostenlos, ohne App.
Bremse 1: USB-A – der breite Stecker
Bevor du irgendetwas anderes prüfst: Schau dir den Anschluss an, in dem dein Kabel steckt. Ist er breit und eckig, ist es USB-A. Darüber funktioniert das Schnellladen bei keinem aktuellen Handy, weil die Verhandlung zwischen Handy und Netzteil nur über USB-C läuft. Ein iPhone bleibt an USB-A bei rund 12 Watt, ein Samsung bei 15 bis 18. Und zwar völlig egal, ob auf dem Netzteil 45 Watt stehen. USB-A steckt im alten Netzteil, in der Steckdosenleiste mit USB, im Auto, in der Powerbank mit dem breiten Ausgang. Wenn du nur eine Sache aus diesem Beitrag mitnimmst: Kabel auf beiden Seiten USB-C, Netzteil mit USB-C-Buchse.
Bremse 2: Zu wenig Watt
Jedes Handy hat eine Obergrenze, die im Gerät festgelegt ist: iPhone 15 und 16 rund 20 bis 30 Watt, iPhone 17 bis 40, Galaxy S25 Ultra 45, S26 Ultra 60, ein normales Galaxy oder Pixel 25 bis 30. Liefert das Netzteil weniger, lädt das Handy langsamer. Die Wattzahl steht auf dem Typenschild, oft klein als „20W Max“ oder als Output-Zeile. Mehr Watt als das Handy nimmt, bringt nichts, aber weniger kostet sofort Zeit. Der 5-Watt-Würfel von vor zehn Jahren ist der Klassiker.
Bremse 3: Das falsche Ladeprotokoll
Das ist die Bremse, die niemand kennt. Samsung und Google erreichen ihre volle Leistung nur mit PPS, einer Erweiterung von USB Power Delivery. Ein 45-Watt-Netzteil ohne PPS lädt ein Galaxy S24 Ultra mit 15 statt 45 Watt. Und viele Netzteile mit PPS können es nur mit 3 statt 5 Ampere, was bei den Galaxy-Modellen bis zur S24-Generation noch einmal auf 27 Watt drosselt. Die Details dazu stehen in meinem Beitrag zum Samsung 45W Ladegerät. Xiaomi und OnePlus haben eigene Protokolle, die nur das Originalnetzteil spricht. iPhones brauchen kein PPS – aber seit dem iPhone 17 ein Netzteil mit PD 3.2, damit die vollen 40 Watt fließen.
Ob dein Netzteil PPS kann, steht im Kleingedruckten: entweder als „PPS“ oder als Spannungsbereich mit Strich, etwa „3.3–11V⎓3A“. Genau diese Zeile liest der Ladecheck vom Foto ab.
Bremse 4: Kabel und Ladebuchse
Ein normales USB-C-Kabel schafft 60 Watt, das reicht für jedes Handy außer den 45-Watt-Samsungs bis zur S24-Generation, die ein 5-Ampere-Kabel brauchen. Was trotzdem bremst: beschädigte Kabel, Billigkabel ohne den vorgeschriebenen Widerstand im Stecker, bei älteren iPhones Lightning-Kabel ohne MFi-Zertifikat. Und noch häufiger als alles das: Fussel in der Ladebuchse. Der Stecker sitzt nicht mehr ganz drin, der Kontakt wird schlecht, das Handy lädt langsam oder mit Unterbrechungen. Taschenlampe, reinschauen, mit einem Holzzahnstocher vorsichtig herausholen. Das löst mehr Fälle, als man glaubt.
Die richtige Reihenfolge
Die meisten fangen beim Netzteil an und kaufen ein neues. Das ist falsch herum. Die Reihenfolge, die Zeit und Geld spart:
- Anschluss: Steckt irgendwo USB-A? Dann ist das die Ursache, fertig.
- Netzteil: Wattzahl und Protokoll auf dem Typenschild gegen das prüfen, was dein Handy kann.
- Kabel: Ein anderes Kabel probieren, am besten ein bekanntes gutes.
- Buchse: Reinschauen, reinigen.
Genau diese Reihenfolge geht mein Ladecheck mit dir durch. Er weiß, was dein Handy maximal kann, du fotografierst das Netzteil, und die Seite sagt dir, ob Anschluss, Watt oder Protokoll bremsen. Wenn auf dem Papier alles passt, bleibt nur das Kabel, und dafür gibt es den Test: Akkustand eingeben, 15 Minuten warten, vergleichen. Die Seite rechnet aus Akkugröße, Ladeleistung und Ladekurve vor, wo du stehen müsstest. Liegst du deutlich darunter, ist es das Kabel oder die Buchse.
Die Kombination, mit der nichts mehr bremst
Wenn du das Thema ein für alle Mal abhaken willst: Ein Netzteil, das alle Protokolle beherrscht, plus ein 5-Ampere-Kabel. Das UGREEN Nexode Pro 100W* kann PD 3.2 mit AVS fürs iPhone 17, PPS mit 5 Ampere für jedes Samsung und 100 Watt für den Laptop. Dazu ein UGREEN 240W USB-C Kabel* für rund acht Euro oder das Anker 240W Kabel im Doppelpack*. Damit lädt jedes Handy, das du in den nächsten Jahren kaufst, mit dem Maximum, das es kann.
Und wenn es doch der Akku ist?
Erst wenn alle vier Bremsen ausgeschlossen sind, lohnt der Blick auf den Akku. Beim iPhone steht die Kapazität in den Einstellungen unter Batterie, bei Samsung in der Diagnose der Members-App. Unter 80 Prozent nimmt der Akku weniger Leistung an und hält kürzer. Aber ein Akkutausch kostet 100 Euro aufwärts, ein Kabel zehn. Deshalb die Reihenfolge. Und wer sein Handy so lange fährt, dass der Akku nachlässt, sollte es auch von außen schützen: In meinem iPhone 17 Pro Hüllen-Vergleich steht, welche den Sturz wegsteckt, und in meinem Test, welches Panzerglas sich fürs iPhone 17 Pro lohnt, welches Glas den Aufprall auf die Kante überlebt.
Die ganze Technik dahinter, mit Messwerten und ohne Kürzung, steht in Handy schnellladen erklärt: PD, PPS, AVS – und warum USB-A alles bremst.
