Wer wissen will, welches Ladegerät das iPhone 18 Pro braucht, bekommt auf der Apple-Bühne nur die halbe Wahrheit: 50 Prozent in 15 Minuten. Das iPhone 17 Pro brauchte dafür noch 20 Minuten. Klingt nach einem Fortschritt, den man geschenkt bekommt. Ist es nicht. Denn die eigentliche Bedingung steht klein in den technischen Daten — und sie entscheidet darüber, ob euer vorhandenes Netzteil noch reicht.
Die kurze Antwort vorweg: Das iPhone 18 Pro braucht ein Netzteil mit 60 Watt und AVS. Beides. Fehlt eins davon, bleibt Ladeleistung liegen. Warum das so ist und wie ihr in zehn Minuten prüft, ob euer Netzteil mitspielt, steht hier.
Aus 40 Watt werden 60 Watt
Beim iPhone 17 Pro lag die maximale Ladeleistung bei 40 Watt. Beim 18 Pro sind es 60. Das ist die größte Änderung beim Laden seit Jahren, und auf der Keynote fiel dazu kein Wort. Man findet die Zahl nur in den technischen Daten.
Erst mal eine gute Nachricht: 50 Prozent in einer Viertelstunde kannte man bisher von Android-Geräten, nicht von iPhones. Damit liegt das 18 Pro auf demselben Niveau wie ein Galaxy S26 Ultra. Nur hängt an dieser Zahl eine Bedingung, über die Apple auf der Bühne kein Wort verloren hat.
Die Fußnote, die alles entscheidet
Auf Apples Produktseite steht „Bis zu 50 % in etwa 15 Minuten“ — mit einer hochgestellten Neun dahinter. Und in dieser Fußnote steht der eigentliche Satz: Schnelles Laden über Kabel wird unterstützt mit einem 60-Watt-fähigen USB-C-Kabel und einem USB-PD-3.1-Netzteil oder besser mit einstellbarer Spannungsversorgung. Separat erhältlich.
„Einstellbare Spannungsversorgung“ ist der Punkt. Das englische Original nennt es adjustable voltage supply, kurz AVS. Und genau daran scheitern die meisten Netzteile, die gerade in deutschen Schubladen liegen.
Was AVS ist — in einem Absatz erklärt
Ein normales USB-C-Netzteil liefert Strom in festen Stufen: 5, 9, 15 und 20 Volt. Der Akku im Handy will aber nur rund 4 Volt. Also muss ein Chip im Handy die Spannung herunterwandeln, und dabei entsteht Wärme. Ein warmes Handy drosselt sich selbst — deshalb ist Schnellladen meist nur in den ersten Minuten wirklich schnell.
Mit AVS fordert das Handy stattdessen exakt die Spannung an, die es gerade braucht. Das Netzteil stellt sie ein, das Handy muss kaum noch wandeln, die Wärme entsteht im Netzteil statt im Gerät. Ein kühleres Handy darf länger schnell laden — und genau daher kommen die 15 Minuten.
Wer schon mal ein Samsung geladen hat, kennt das Prinzip unter anderem Namen: Dort heißt es PPS und ist seit Jahren im Einsatz. AVS ist Apples Variante derselben Idee, festgeschrieben im Standard USB-PD 3.1.
Reichen 60 Watt ohne AVS?
Das ist die Frage, die sich jeder stellt, der ein 60-Watt-Netzteil zu Hause hat. Und dazu schweigt Apple. Meine Einschätzung, offen als Einschätzung gekennzeichnet: Es wird ähnlich laufen wie bei Samsung ohne PPS — geladen wird, aber die 60 Watt schrumpfen schnell um 10 bis 20 Prozent, und die Viertelstunde wird länger. Bewiesen ist das nicht. Sobald das iPhone 18 Pro und Apples Netzteil hier liegen, messe ich beides gegeneinander: einmal mit AVS, einmal ein normales 60-Watt-Netzteil ohne.
Welches Kabel braucht das iPhone 18 Pro?
Hier gibt es Entwarnung. Das Kabel aus der iPhone-Verpackung reicht. Es führt 3 Ampere, und die Rechnung geht auf: 20 Volt mal 3 Ampere ergibt genau 60 Watt. Ein 5-Ampere-Kabel mit E-Marker-Chip bringt am iPhone nichts — das braucht ihr erst oberhalb von 60 Watt, also für Notebook oder Tablet.
Was ihr dagegen unbedingt vermeiden müsst: USB-A. Steckt irgendwo in der Kette der breite alte Stecker, ist beim iPhone bei 12 Watt Schluss — egal was auf dem Netzteil steht. Aus 15 Minuten für die ersten 50 Prozent werden dann 45.
Muss es das Apple-Netzteil für 45 Euro sein?
Nein. Apples eigenes Netzteil mit AVS kostet 45 Euro und tut, was es soll. Es gibt aber Alternativen, die mehr können. Im Video zeige ich das UGREEN Nexode Pro mit 100 Watt: Es beherrscht AVS für das iPhone und PPS für Samsung, und mit einem 5-Ampere-Kabel ladet ihr damit auch Notebook oder Tablet mit voller Leistung. Es gibt dasselbe Modell auch mit 160 Watt, falls mehrere Geräte gleichzeitig dranhängen sollen.
Beide teste ich in den kommenden Tagen gegen das Original.
Prüfen statt raten: der Ladecheck
Bevor ihr irgendetwas kauft, könnt ihr nachsehen, ob es sich für euch überhaupt lohnt. Dafür habe ich ein kostenloses Werkzeug gebaut, das ohne Messgerät auskommt: den Ladecheck, der direkt im Browser läuft.
Ihr wählt euer Handy — das iPhone 18 Pro ist bereits hinterlegt, ihr könnt es also durchspielen, bevor ihr eins besitzt. Dann den Anschluss, wobei USB-A sofort eine Warnung auslöst. Dann das Netzteil: Typenschild abfotografieren, den Rest liest das Tool selbst aus. Sagt euer Netzteil 45 Watt, während das 18 Pro 60 will, meldet es den Flaschenhals sofort und rechnet gar nicht erst weiter. Und beim 18 Pro weist es ausdrücklich auf AVS hin.
Anschließend messt ihr live: Akkustand eintragen, Uhr starten, nach zehn Minuten den neuen Stand eingeben. Wichtig ist nur, dass ihr unter 40 Prozent startet — darüber drosselt das Handy von selbst, und dann messt ihr nicht mehr das Netzteil.
Vorteile und Nachteile des 60-Watt-Sprungs
✓ 50 Prozent in 15 Minuten statt 20 — spürbar schneller im Alltag
✓ Die Wärme entsteht im Netzteil statt im iPhone, der Akku wird geschont
✓ Das Kabel aus der Verpackung reicht, kein 5-Ampere-Kabel nötig
✓ Endlich auf Augenhöhe mit Android-Spitzenmodellen
✗ Das Netzteil muss AVS können — viele vorhandene 60-Watt-Modelle tun das nicht
✗ Apple nennt die Bedingung nur in einer Fußnote, nicht auf der Bühne
✗ Was ohne AVS übrig bleibt, sagt Apple nicht
✗ Ein passendes Netzteil kostet extra, im Karton liegt keins
Fazit: Welches Ladegerät fürs iPhone 18 Pro?
Achtet auf zwei Dinge, nicht auf eins. Die Wattzahl allein reicht nicht — 60 Watt und AVS müssen auf dem Netzteil stehen, oft als „PD 3.1″ gekennzeichnet. Das Kabel aus der Schachtel könnt ihr behalten. Und wenn ihr sowieso einen Laptop mitladen wollt, nehmt gleich ein 100-Watt-Modell, das AVS und PPS beherrscht — damit seid ihr für jedes Gerät im Haushalt gerüstet.
Und bevor ihr bestellt: Lasst den Ladecheck laufen. Es kann gut sein, dass euer jetziges Netzteil schon alles kann.
Wenn das iPhone 18 Pro nächste Woche hier liegt, geht es weiter mit dem Zubehör. Welche Schutzhülle wirklich passt, klärt mein großer Hüllenvergleich für das iPhone 18 Pro, und welches Displayschutzglas den Sturztest übersteht, steht im Panzerglas-Test zum 18 Pro. Für alle, die auf das faltbare Modell warten, laufen die Tests parallel: passende Hüllen fürs iPhone Duo und der Displayschutz fürs iPhone Duo, inklusive der Frage, wie man das Innendisplay überhaupt schützt.

