Mein erster Test zum Anker Nano Ladegerät war fehlerhaft. Zwei verschiedene Ladegeräte, zwei verschiedene Handys, nicht zueinander passende Ladeprotokolle und Kabel ohne E-Marker-Chip – daraus lässt sich schlicht kein belastbares Ergebnis ableiten. Die Kommentare haben mich zu Recht auseinandergenommen, also habe ich den kompletten Test wiederholt. Diesmal sauber. Und das Ergebnis hat mich in zwei Punkten überrascht.

Der korrigierte Testaufbau

Diesmal kommt nur ein einziges Ladegerät zum Einsatz: das Anker Nano mit 45 Watt, dazu ein originales Apple-Ladekabel und ein iPhone 17 Pro Max mit maximal 40 Watt Ladeleistung, durchgehend im Flugmodus.

Geladen wird jeweils 30 Minuten ab 10 Prozent Akkustand – einmal im Auto-Modus, einmal im Care-Modus. Alles oberhalb von 80 Prozent zu messen wäre sinnlos, weil Smartphones ab dort ohnehin selbstständig drosseln. Apple gibt als optimale Umgebungstemperatur 16 bis 22 Grad an, gemessen wurde deshalb bei exakt 20 Grad.

Nach 10, 20 und 30 Minuten habe ich jeweils Akkustand und Gehäusetemperatur erfasst – letztere mit einem Infrarot-Thermometer an immer derselben Stelle.

Die Messwerte

Care-Modus: nach 10 Minuten 25 Prozent bei 26,0 Grad, nach 20 Minuten 39 Prozent bei 27,8 Grad, nach 30 Minuten 52 Prozent bei 28,9 Grad. Die Ladeleistung lag durchgehend konstant bei 19 Watt.

Auto-Modus: nach 10 Minuten 36 Prozent bei 35,5 Grad, nach 20 Minuten 57 Prozent bei 36,0 Grad, nach 30 Minuten 71 Prozent bei 34,2 Grad. Die Leistung schwankte hier stark zwischen 40 und 16 Watt.

Interessant ist der Verlauf im Auto-Modus: Die Temperatur steigt auf 36 Grad, fällt dann wieder auf 34 – und gleichzeitig bricht die Leistung von 40 auf 18 Watt ein. Das ist kein Defekt, sondern das Temperaturmanagement des iPhones bei der Arbeit. Das Gerät merkt, dass es warm wird, drosselt sich selbst und kühlt dabei ab.

Anker hat untertrieben – aber das ist nicht der Punkt

Anker wirbt mit 5 Grad geringerer Temperatur im Care-Modus. Gemessen habe ich zwischen den beiden Modi 9,5 Grad Unterschied nach 10 Minuten. Der Hersteller hat also nicht übertrieben, sondern das eigene Produkt sogar untertrieben beworben.

Der Haken steckt woanders. Der Care-Modus lädt mit konstant 19 Watt – und genau das leistet ein gewöhnliches 20-Watt-Netzteil von Apple ebenfalls. Damit das keine Behauptung bleibt, habe ich es unter identischen Bedingungen gegengetestet.

Das Ergebnis: Beide landen nach 30 Minuten bei exakt 52 Prozent Akkustand. Nicht ungefähr, sondern auf den Punkt gleich. Bei der Temperatur bleibt das Anker am Ende 1,2 Grad kühler. Ein Vorteil, ja – aber 1,2 Grad, nicht 5.

Die beworbenen 5 Grad gelten also ausschließlich gegen den eigenen Auto-Modus. Gegen ein normales Netzteil bleibt gut ein Grad übrig, und das ist keine Anker-Technologie, sondern schlicht die Folge geringerer Wattzahl. Fairerweise: Das Apple-Netzteil wird über die halbe Stunde stetig wärmer, von 27 auf 30 Grad, während das Anker im Care-Modus erst abkühlt und dann nur leicht ansteigt. Anker hält die Temperatur also tatsächlich etwas besser im Griff – eben um ein Grad.

Ladeleistung selbst berechnen, ganz ohne Messgerät

Ein praktischer Nebeneffekt dieses Tests: Ihr könnt eure durchschnittliche Ladeleistung selbst ausrechnen. Nehmt die Prozentpunkte, die euer Handy in einer halben Stunde geladen hat, und multipliziert sie mit 0,45.

Bei mir waren das 42 Prozentpunkte, macht rechnerisch 18,9 Watt. Das Display zeigte mir 19 Watt an. Die Formel ist also erstaunlich genau.

Die eigentliche Erkenntnis: Diese Grad bringen euch nichts

Und hier wird es für die Kaufentscheidung entscheidend. Kritisch wird es für einen Lithium-Akku erst oberhalb von 40 Grad. In keinem einzigen Testlauf – auch nicht im vollen Auto-Modus – habe ich diese Marke erreicht. Der Höchstwert lag bei 36 Grad. Alle drei getesteten Netzteile bewegen sich damit im völlig unbedenklichen Bereich.

Dazu passt eine Langzeituntersuchung des Kanals HTX Studio: Rund 40 Geräte über zwei Jahre in mehreren Testreihen, im entscheidenden Durchlauf jeweils 500 vollständige Ladezyklen. Die schnell geladenen iPhones verloren dabei 12,3 Prozent Kapazität, die langsam geladenen 11,8 Prozent. Ein Unterschied von 0,5 Prozentpunkten. Bei den getesteten Android-Geräten fiel das Ergebnis sogar zugunsten des schnellen Ladens aus.

Was den Akku tatsächlich altern lässt, ist etwas anderes. Beim Laden über Nacht ist das Gerät nach ein bis zwei Stunden voll – in jedem Modus. Danach zieht es kaum noch Strom. Das Problem sind die verbleibenden sechs Stunden, in denen der Akku bei 100 Prozent verharrt. Genau das schadet, nicht die Wärme während des Ladevorgangs.

Der wichtigste Tipp aus diesem Test lautet deshalb: Lasst die optimierte Ladung in den Einstellungen aktiviert, oder setzt das Ladelimit gleich auf 80 Prozent. Das bringt eurem Akku mehr als jeder Lademodus.

Wann der Care-Modus doch sinnvoll ist

Es gibt Situationen, in denen sich der Modus lohnt: wenn es ohnehin schon warm ist. Im Auto, in der Sonne, draußen im Sommer – oder wenn das Handy unter der Bettdecke liegt und sich die Wärme staut. Wer dort bei 33 statt 42 Grad landet, bewegt sich vom schädlichen in den unbedenklichen Bereich. Das ist der eine Fall, in dem die Funktion echten Nutzen bringt.

Der Preis entscheidet

Ein 45-Watt-Netzteil ohne Display kostet derzeit rund 13 Euro, beispielsweise von Ugreen – ebenfalls eine etablierte Marke im Zubehörbereich, kein No-Name-Anbieter. Getestet habe ich es nicht, das sage ich offen dazu.

Die Rechnung ist trotzdem simpel: Mehr als 40 Watt nimmt das iPhone ohnehin nicht an, und die liefert auch ein günstiges Netzteil. Bleibt die Frage, wofür der Aufpreis beim Anker gezahlt wird. Für den Care-Modus, der im Alltag kaum etwas bringt? Für das Display?

Ich behalte das Anker – aber aus einem Grund, der für euch zu Hause keiner ist: Für Tests wie diesen muss ich ständig Wattzahlen ablesen, und das Display nimmt mir diese Arbeit ab. Wer einfach nur schnell laden will, greift zum günstigen Modell.

Fazit

Der Auto-Modus bringt 19 Prozentpunkte mehr Ladung in einer halben Stunde und kostet dafür 5 bis 9 Grad, die dem Akku nachweislich nichts anhaben. Der Care-Modus wiederum leistet nicht mehr als ein handelsübliches 20-Watt-Netzteil. Für die allermeisten ist das Anker Nano damit kein sinnvoller Kauf – so sehr die beworbenen Messwerte auch stimmen.

Wer sein iPhone 17 Pro wirklich schützen will, investiert das gesparte Geld besser in Schutzzubehör. Welche Hüllen für das iPhone 17 Pro im Falltest überzeugen, haben wir ausführlich geprüft – ebenso wie die Frage, welches Panzerglas fürs iPhone 17 Pro tatsächlich hält. Beides bringt eurem Gerät messbar mehr als ein paar Grad beim Laden.

Anker Nano 45W im Test: Die 5 Grad stimmen – und trotzdem rate ich vom Kauf ab